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19. …der Aufstand geht weiter…

Die alte Gruppe darf sich wieder zusammen treffen. Am ersten Tag erfahren wir, dass unser Raum renoviert wird, so freuen wir uns auf die bevorstehenden, ganztägigen Recherchen. Pustekuchen! Der Depp Rambo hat sich mit unserer Aufseherin angelegt! Er wagte es, laut seine, aber auch unsere Meinung auszusprechen! „Ich weeß nich was es hier soll? Wir sitzen hier wie die Verrückten und haben nischt zu tun. Isch drehe hir bald durch!“ Oh, oh, das jetzt war wirklich zu viel!!! Augen schlüpfen heraus, Kopf wackelt und läuft rot an! Ich kenne diese Symptomatik!

„Alle gehen bitte in den Raum 22“ befiehlt unsere Aufseherin sehr knapp. Raum 22 entpuppt sich als sehr enges Klassenzimmer. Die Bänke stehen wie zu Zeiten des Frontalunterrichts. „Scheiße, ist es hier eng“, ruckartig fasst sich Gabi auf ihren Mund- schon wieder zu viel gesagt!

„Bis unser Raum fertig ist, bleiben wir hier.“. UnsereAufseherin verliert kein weiteres Wort und geht.

Wir sitzen in der unglaublichen Enge immer noch in der Hoffnung, dass wir bald wieder recherchieren können, vergeblich. Stunden vergehen, es passiert nichts. “Ick gehe zu der Alten und frage wegen Recherche, oder so“, traut sich wieder Rambo. Nach drei Minuten hoffnungsvoller Erwartung kommt er aufgebraust zurück: “Die Alte ist toll geworden. Alle Recherchen hat die Schlampe verboten, sonst meldet sie es dem Job Center. Die Olle hat lange keiner ge..ckt.“ Fast alle sind der gleichen Meinung.

Wir sitzen bis um halb Fünf.

28.1.07 19:05


18. Aufstand der ABM-ler – und die Folgen…

Meine Zeit bei den Schreibern geht almehlich zu Ende. Wunderbare vier Wochen sind fast vorbei! Obwohl, die letzte Woche war recht turbulent. Was heißt turbulent? Wir mussten als Strafe jeden Tag um halb fünf nachmittags, nach der Recherche in die Firma kommen, um uns aus der Anwesenheitsliste auszutragen! Was haben wir verbrochen? Unser Frühstück im nah liegenden Biligrestaurant wurde offiziell als Exkursion deklariert. So was praktiziert man hier an der Tagesordnung. Nichts ungewöhnliches, wäre da nicht Mustafa, der nicht versäumen wollte, die Sache beim Namen zu nennen: „Das ist doch das reinste Beschiss des Arbeitsamtes!“, rief er ganz laut im Restaurant und das ist zu Ohren der Obrigkeit vorgedrungen. Naja, schummeln darf man so lange man das nicht laut ausspricht! So was muss unser einer doch wissen, geschieht uns Recht!

28.1.07 19:05


17. Wir werden gezwungen, uns die

Es ist Zehn. UnsereLeiterin, sehr intelligent, Akademikerin, aber mit niedrigem Selbstwertgefühl kommt gerade aus einer Leiterkonferenz zurück. Sie demonstriert uns drei beidseitig bedruckte A4-Blätter und sagt mit einem Lächeln: „Das hat eine Gruppe von 15 Personen innerhalb eines Jahres geschafft!“. Verwunderte Blicke, „Mir wurde nahe gelegt, dass bei uns zu schnell gearbeitet wird.“, sie guckt in Mandys Richtung: Mandy ist die, die in den letzten sechs Wochen angeblich 56 Seiten über den Reinigungsbetrieb unserer Stadt zusammengeschrieben hat. „Wir sind 20.“ fährt sie fort. “Unser Projekt geht über sechs Monate. Rechnen sie sich aus, wie viel wir schaffen dürfen!“ Großes Erstaunen, die Leiterin setzt sich hin und widmet sich ihrer Zeitung. Wir haben es verstanden und gehen recherchieren. Unsere einzige Toilletenschüssel wird wieder mal nicht überlastet!

Auf dem Weg nach hause denke ich nach, warum die früheren Bücher nicht publiziert wurden? „Wahrscheinlich scheut unsere Firma die Anzeigen wegen Plagiaten. Unsere Schreiber können doch nicht wissen, dass Kopieren anderer Bücher oder ganzer Internetseiten nicht unbedingt die feine Art des Schreibens ist. Woher auch?“

28.1.07 19:04


16. Selbsternannte Autoren

Seit zwei Tagen schreibe ich an diesem Buch. Es scheint hier alles eine Struktur zu haben. Wir müssen pünktlich um halb acht da sein. Das ist ziemlich das einzige, das wir hier tun müssen. Wenigstens erscheint mir das Niveau der „Mitarbeiter“ hier höher zu sein. Ich finde hier leicht interessante Gesprächspartner. Wir diskutieren über Gott und die Welt. Die Zeit vergeht hier schneller und interessanter. Ich komme gerne hierher. Abgesehen von den paar gewissenhaften Buchschreibern – alle rein zufällig ohne Beruf und einem Zeugen Jehovas, der keine Anstrengungen scheut, um den Rest der Menschheit geradewegs ins Paradies zu befördern, lebt es sich hier sehr angenehm.

Ein wenig lästig finde ich, dass man hier einen Ordner führen muss, in dem alles detailliert beschrieben werden soll, was man so den ganzen Tag gemacht hat und was man recherchiert hat. Hier brauch man wirklich Fantasie, die eine Wucht ist!!!

„Alles fürs Job Center.“, erklärt unser Projektleiter, „Sehr wichtig!“.

In dieser Gruppe gibt es keinen Aufseher und unser Projektleiter ist auch nur ein armer ABM-ler wie wir.

28.1.07 19:04


15. Versetzung in ein anderes Projekt

Aus mir nicht näher erläuteten, organisatorischen Gründen, bin ich für mehrere Wochen in ein anderes Projekt versetzt worden. Hier schreibt man ein Buch, ein Buch über unsere Stadt. Wie der Zufall so will, kenne ich jemanden, der schon vor zwei Jahren so ein Buch in einem Projekt hier in dieser Firma mitgeschrieben hat! Dieser kennt auch jemanden, der das noch früher als er selber auch schreiben musste! Wie viele solche Bücher gibt es schon? Ich höre nur von den Leuten; die tatsächlich glauben recherchieren zu müssen, dass die besuchten Institutionen, Behörden, Theater, Schulen; etc., ziemlich genervt reagieren, weil eben ständig ABM-ler kommen und was wissen wollen. Die Eifrigen geben sich die Klinke in die Hand. Was wäre wenn alle so eifrig wären?

Heute muss ich Schluss machen, wir gehen recherchieren.

28.1.07 19:03


14. Bereinigung der Arbeitslosenstatistik auf Kosten der Umwelt

Weitere Tage vergehen. Wir Recherchieren weiter, ohne Ergebnisse vorweisen zu müssen. Keiner interessiert sich, keiner fragt danach. Wir haben bis jetzt noch kein benachteiligtes Kind gesehen, wissen bis heute nicht mal wo wir es finden sollten. Ich bekomme langsam Angst, dass wir die Kinder in diesem Projekt nie zu sehen bekommen. Es wäre eine zu große Belastung für unsere Firma, da es wahrscheinlich nur um Senkung der Arbeitslosenstatistik geht.

„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, hat schon Churchil gewusst. So kommen wir jeden Tag her, Essen unseres Frühstück und fahren wieder nach hause, Entschuldigung, wir recherchieren. Was für ein teures Frühstück, was für eine Umweltverschmutzung!

Tausende, nein, hunderttausende Menschen werden jeden Morgen über Strecken befördert; verstopfen Strassen, drängeln sich in schon sowieso hoffnungslos überfüllten Bussen und Bahnen, um in der „Arbeit“ mit aller Gemütlichkeit zu frühstücken und wieder nach hause zu fahren. Hauptsache die Statistik stimmt!

28.1.07 19:02


13. Schwerbehinderte Menschen sollen Kindern Streetdance beibringen?

Alle zwei Wochen müssen wir in einem Bericht schreiben, was wir alles getan haben - fürs Arbeitsamt. Sehr wichtig!

Es haben sich vier kleine Gruppen herauskristallisiert in unserem Projekt. Ja! Es ist kein Irrtum. Wir haben uns auf vier Schwerpunkte geeinigt, wie wir den misshandelten Kindern helfen können: Sport, Selbstverteidigungskurse, Tanz, Kampfsport. Alles ist mit viel Bewegung verbunden. Armer Thomas. Er ist ein Schwerbehinderter. Mit Merkzeichen G, was für eine Gehbehinderung steht. Er wurde auch bei uns eingestellt, ungeachtet dessen, dass er an zwei Krücken geht. Ich kann mich noch an unser Vorstellungsgespräch erinnern, wo er sich mit Händen und Füßen davor gewährt hat, hier arbeiten zu müssen: „Ich bin doch behindert, kann nicht richtig laufen. Wie soll ich mit Kindern Streetdance tanzen? Sport und Streetdance stehen in unseren Arbeitsverträgen. „Das macht nichts. Wir brauchen alle.“, bekam er als Antwort. Seit dem ist er bei uns.

Es wäre ein sehr interresantes Bild, wenn man es zusammen fotografieren würde: ein Behindi Ausweis mit einem Arbeitsvertrag als Streetdancelehrer!  

27.1.07 18:44


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