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MEINE ABM 1. Vorstelungsgespräch

Folgendes geschah in Deutschland im 21. Jahrhundert:

Die Baracke ist voll. Viele Gesichter, Neugier, Wut, Zwang, Gleichgültigkeit, das alles kann man in diesen Gesichtern ablesen.

Wir werden herzlich begrüßt von einer Frau. Uns wird erzählt, was für tolle Menschen wir sind und das wir etwas wunderbares in der Zukunft auf die Beine stellen werden in dieser außergewönlichen Firma.

Als nächstes berichtet man uns über das Elend auf den Strassen unseres Bezirkes, über arme Kinder, die auf den Strassen verwahrlosen, unter unseren Augen, die unbedingt auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Ich stelle mir eine Slumlandschaft vor.

Als ich meine Augen öffne, die inneren Bilder noch im Bewusstsein, sehe ich einen Man vor uns stehen. Gepflegte Erscheinung, teurer Anzug. Armani? Jedenfalls ein krasser Kontrast zu meinen Bildern. Er stellt sich als Vorsteher des Lagers vor. Er erzählt uns ungefähr das Gleiche was wir schon gehört haben. Elend, Kinder, Strasse. Es entstehen wieder Bilder. Er bedankt sich bei uns das wir uns für die ruhmreiche Arbeit entschieden haben und lobt unseres Leistungspotenzial. Ich fühle mich geschmeichelt. Wir schaffen alles, mit vereinten Kräften, mit eisernen Willen, mit unserem Potenzial.

Ich fühle mich wie in einem Motivationstraining made in Amerika. Tschaka!

Er geht raus. Die Frau bleibt und erzählt uns weiter über unsere zukünftige Arbeit. Langsam hört man Stimmen aus dem Publikum. „Bewerber“ fangen an ihre Gründe vorzutragen wieso sie diese „Arbeit“ nicht annehmen können. Eine Frau ruft laut: „Ich habe einen Hund zu Hause, Ich muss mit ihm alle vier Stunden Gassi gehen, ich kann nicht arbeiten!“. Die Frau, die sich in der Zwischenzeit als unsere Aufseherin vorgestellt hat, antwortet: “Ich glaube nicht, dass es Job Center als Hinderungsgrund anerkennt.." Ihr Ton ist jetzt schärfer geworden. „Ick kann doch nicht mit Görren ackern, ick bin doch Dachdecker!“ stottert ein man aus der hinteren Reihe „Icke kann doch selbst mene eigenen nicht leiden.“. „Wir brauchen jede Kraft. Sie werden sich bestimmt nützlich machen.“ ihre Antwort kommt wieder freundlicher rüber. Jetzt meldet sich ein Mann, der die ganze Zeit mit zwei Krücken neben mir gesessen hat „Ich bin schwerbehindert: 80G.“ er zieht einen Ausweis aus dem Rucksack. „Ich kann doch nicht Streetdance und Sport mit den Kindern machen so heißt doch diese Veranstaltung hier, nicht war?“ Die Aufseherin guckt ihn böse an: „Wir brauchen alle, wie sie wissen.“ fügt sie leise hinzu. „Und sie müssen unterschreiben, sonst wird das Geld gekürzt!“. Wie man leicht vermuten kann meint sie "Hartz IV". „Heute habe ich noch viel zu tun- noch weitere Vorstellungsgespräche. Wir sollen kurzfristig 450 Leute aufnehmen, es ist der Teufel los hier. Wir treffen uns hier Morgen um zehn zum Unterschreiben der Arbeitsverträge. Auf Wiedersehen ". Sie verschwindet in großer Eile. Ich vermute, die Angst vor weiteren Fragen macht ihr Beine. Die gesammelte Gesellschaft bewegt sich langsam aus dem stinkenden Raum heraus. In der Tiefe der Baracke sehen wir eine anstehende Meute. Sie wollen alle ihre Arbeitsverträge unterschreiben, etwas für die Menschheit tun.

29.10.06 19:29


2.Erster Arbeitstag - ein Einblick in unsere gesellschaftliche Unterschicht

Am ersten Arbeitstag, bei der Begrüßung, dankt uns unsere Aufseherin noch mal herzlich, dass wir uns für diese Arbeit entschieden haben. Sie verlangt von uns Führungszeugnisse zu beantragen - so schnell wie möglich. Die Firma kann doch keine Kinderschänder auf die armen Kinder loslassen. Nein, auf keinem Fall. Wir unterschreiben alle als erstes ein vorgegebenes Formular in dem wir beteuern, dass wir auch wirklich nicht vorbestraft sind. Dies scheint die wichtigste Aufgabe für heute zu sein. Unsere Gruppe gehört angeblich zu den Glücklichen, die nicht stundenlang anstehen müssen um Arbeitsverträge zu unterschreiben. Wie wir das verdient haben wurde uns nicht erklärt. Zu fünft werden wir aufgerufen, um am Ende der verseuchten Baracke in einer speziell dafür eingerichteten Ecke, unsere Signatur zu setzen. Unser Weg führt durch eine dichte anstehende Menschenmenge. Jetzt fange ich an mein Glück zu verstehen. „Stell dir vor in diesen Ausdünstungen mehrere Stunden verharren zu müssen“ drängt in mein Bewusstsein. Endlich erreiche ich mein Ziel. „Name?“ Ich stelle mich vor. Mein Vertrag wurde schnell ausfindig gemacht. „Sie dürfen es vorher lesen“. Ich halte einen Stapel Papier in der Hand. Fünf A4 Seiten und will lesen. “Aber sie wissen sie müssen es unterschreiben“. „Wo sie Recht hat, hat sie Recht“ ich unterschreibe ohne es zu lesen. In doppelter Ausführung! „Der Vertrag eines gewissen Herrn Ackernman fällt bestimmt viel mickriger aus“. Ich bin fast stolz auf mich. Ich darf nach Hause. Mein erster Arbeitstag ist zu Ende.
29.10.06 19:33


3. "Arbeitsbeschafung?"

Wir sollen uns Gedanken machen und Ideen entwickeln, was man überhaupt tun konnte.

Die Aufseherin lacht sehr nett und verlässt nach zehn Minuten den Raum. Sie gibt uns die Aufgabe bis halb elf eine vernünftige Idee zu entwickeln und weist uns darauf hin, dass unser Arbeitsplatz von unseren Ideen abhängt. Unsere Verträge laufen über sechs Monate, wenn wir uns bemühen, werden die um weitere sechs verlängert. Es herrscht Aufbruchstimmung: “Oh,

an die Arbeit. Rettet die 50 Euro Woche!. "Ick will arbeiten, da kann ick mich für den fuffi wenigstens am Wochenende besaufen“ ruft Fidi, so lässt er sich nennen „Jetzt fressen mir alles möine Görren weg aber möin sauer verdientes Geld kriegen die nicht. „Bist doch blööde, ich besaufe mich auch ohne einer ABM, es lässt sich organisieren wenn man nicht doof ist“ erklärt Guido.

„O mein Gott“ geht mir durch den Kopf „War da nicht was mit arme Kinder retten?“ die Retter sind bereit „Tschaka!“

Mit ähnlichen Gesprächen vergeht der Morgen bis um elf. Es ist nicht mal langweilig.

Die Aufseherin kommt gestresst herein. „Ach, ihr arbeitet so toll, ich habe keine Zeit, hier ist die Hölle los, so viele Leute. Ihr habt so gut gearbeitet, jetzt dürft ihr nach hause gehen. Morgen braucht ihr auch nicht zu kommen. Bleibt zu Hause, geht in euch und verarbeitet die vielen Ideen, dann können wir übermorgen besser damit arbeiten. Tschüß bis übermorgen“

Der Arbeitstag ist zu Ende.

29.10.06 19:37





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