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4. Fortbildung ohne Bildung?

Wir werden in Gruppen geteilt. So ist man produktiver. Die Aufseherin schildert uns die Vorteile, weswegen Männer, Frauen mit Kindern und Frauen ohne Kinder verschiedene Ideen entwickeln können. Ich stimme ihr zu, vermute aber ein logistisches Problem der Firma. Es gibt anscheinend keinen geeigneten Raum wo so viele Menschen arbeiten könnten. Freundliches Blinzeln in ihren Augen. Wir bilden drei Gruppen nach ihrem Vorschlag. Es gibt sechs Männer, drei Frauen ohne Kinder und 14 Frauen mit Kindern. Deutschland du brauchst dich um deinen Nachwuchs nicht mehr kümmern!

Ups, wir sind nur noch 23, zwei sind irgendwo versickert, kommen nicht mehr-zwei Frauen, was für ein Jammer, dass wir jetzt nicht rausbekommen ob die zu dem Müttern oder Nicht-Müttern gehört hätten. Wir überlegen es eine ganze Weile.

Die Aufseherin unterbricht die eifrige Diskussion „Ach, übrigens in nächsten Monat gibt es eine Berufsqualifizierung, damit sie später in richtigem Arbeitsleben weiter kommen“. So wie ich es mitbekam, haben die meisten hier keine abgeschlossene Berufsausbildung, aber sie nennen stolz die Berufe, die sie mal angefangen haben zu lernen. Man könnte fast meinen, die größten Profis vor sich sitzen zu haben. Ich halte meine Hand hoch. „Zu welchem Thema gibt’s es diese Qualifizierung?“ „Wir wissen es noch nicht.“ antwortet die Aufseherin.

„In meiner früheren ABM mussten wir meistens nur unterschreiben, dass wir uns irgendwo in irgendetwas qualifiziert haben oder die Leute, die uns was erzählt haben sehr inkompetent waren. Ich besitze einen ganzen Stapel von Zertifikaten für Sachen, die ich nie gemacht habe“. Die Aufseherin schluckt, das Gesicht wird von der Nase aus immer roter, Augen springen aus den Hölen, Wangen wackeln. „Alarm!“ denke ich erschrocken. "Bei uns ist es nicht so!“ schreit sie „Wir sind eine sehr geachtete Firma, wir machen was für euch, um euch wieder in die Arbeit  bringen! Dazu gehört eine vernünftige Fortbildung!“ Ich merke sofort in diesem Moment habe ich bei ihr etwas empfindliches berührt. Sie mag mich nicht, sie fängt an mich zu hassen.

„Für heute ist es Schluss. Morgen treffen wir uns in Gruppen. Mütter von acht bis zehn Uhr, Männer von zehn bis zwölf Uhr, Nicht-Mütter von zwölf bis zwei Uhr.

Mein weiterer Arbeitstag ist zu Ende.

1.11.06 19:17


5. Qui Gong Kugeln

Der Mütter-Arbeitstag beginnt. Der Raum ist fast leer. Nach und nach kommen die gestressten Mütter an. Ich bin auch eine davon. Zehn nach acht sind wir, glaube ich, komplett. Die Aufseherin kommt und freut sich, dass wir da sind. Halb neun. Mandy, die nicht ausgelernte Verkäuferin, kommt hektisch rein. „Es fehlte doch noch jemand“ denke ich. Mandy hechelt: „Mir, mir wurde jetzt gerade mein Portmonee geklaut. Im Bus. Alles war drin“. Sie zeigt ein schmerzenüberzogenes Gesicht „Ich lief hinter dem Bus her, hab ihn aber nicht eingeholt, deswegen bin ich zu spät“. Die Aufseherin nickt sehr verständnisvoll mit dem Kopf. Mandy setzt sich hin und vergisst sofort ihren Verlust.

Unsere Aufseherin verabschiedet sich, wir sollen heute nur bis zehn "arbeiten".

Wir fühlen uns fast verlassen, wissen nicht recht, was wir mit der verbliebenen Zeit machen

sollen .Gitta fängt als erste an: “Was hält ihr von den Männern?“. Britta: „Die sind alle Scheiße“. Sie kennt wahrscheinlich ihren Marktwert nicht. „Den Heini finde ich Süß“ plärrt Rita. Gitta: „Der mit den zwei Kugeln in der Hand, der sieht gut aus!“. Ich glaube mich an einen zu erinnern, der ständig mit zwei Qui Gong Kugeln gespielt hat. Gitta fängt an zu lachen „Ich mag seine Kugeln“. Jetzt wird die Atmosphäre richtig heiter. Auf einmal scheinen alle richtig wach zu sein. Das Interesse wurde geweckt. „Ich glaube, er heißt Rambo. Ich habe gehört wie die anderen ihn nennen“ - Britta wollte mit ihrem Wissen angeben. „Rambo? Wie der Rambo aus dem Film. Finde ich echt cool!“. Agnes, die sich Agi rufen lässt, ist ganz begeistert. „Sollte der Name echt sein, müsste seine Mutter damals besoffen sein“ denke ich und höre weiteren Gesprächen zu. Jetzt folgen Vermutungen über das Aussehen seiner echten „Kugeln“. Die Frauen sind sichtlich vergnügt. Es folgen verschiedene Beschreibungen, wie „das“ aussehen könnte. Es werden auch die anderen Männer in die Mutmaßungen einbezogen. Es werden Vergleiche gemacht bezüglich  Größe, Form ja, sogar  Farbe gemacht! Zum Schluß wird ernsthaft überlegt auf welche Wand des Raumes, welche als Schmuck am besten passen werden. „Heiliges Deutschland!“ denke ich „Was hast du hervorgebracht? Wofür zahlst du dein gutes Geld?“. Am Ende des Arbeitstages werden auch Ängste geäußert, was wohl passieren würde, wenn einer von den Männern auf einmal abends vor der eigenen Tür steht.
Es ist zehn. Ein weiterer Arbeitstag ist zu ende.

1.11.06 19:19





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