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21. Gitter vor den Fenstern

Wenigstens vier Rechner haben wir in unserem Raum hier. Die sind jedoch meistens nicht funktionsfähig, aber zumindest haben die möchtegern Computerspezialisten immer ein Grund zu heftigen Diskussionen, an was es wohl liegen könnte, das dies so ist.

Ansonsten vergeht der Tag wie die zwei vorherigen: Enge, Langeweile. Die Armbanduhren wecken das meiste Interesse. Immer öfter empfinde ich den Drang auf unser Tisch zu springen, mit allen Körperteilen wild um mich zu werfen und laut zu schreien oder einfach aus dem Fenster zu springen! ...Fehlanzeige: Die Fenster in diesem Raum sind vergittert!

„Es ist heute so leer hier!“ stellt unsere Aufseherin beim reinkommen fest.

Ich merke auch, dass die Krankheitsanfälligkeit unserer Gruppe sich zur Zeit drastisch erhöht hat. Das kommt selbstverständlich den Übrigen zu Gute, wir haben mehr Platz und Luft für uns! Da kommt mir sofort ein angenehmer Gedanke in den Sinn: „Wenn es wirklich so weiter gehen sollte lass ich mich auch krankschreiben!“ Ich muss dieses Mobbing doch nicht ewig hier aushalten.

10.2.07 21:35


22. Erbsen oder Bohnen

Heute soll ein ganz wichtiger Mann aus der Zentrale kommen. Er soll uns verschiedene Qualifikationsangebote machen, falls unser Vertrag hier verlängert werden sollte.

Ein richtiger „Tschaka“ – Typ! „Hallo, ich bin da und ich werde euch allen helfen! Keiner sagt mir bitte er habe keine Chance! Ich stehe wahrhaftig vor ihnen und ich habe Arbeit! Ich bin über fünfzig und trotzdem hat man mir hier in dieser Firma einen Arbeitsplatz gegeben! Nein, nein - es ist keine ABM, wie ihr vielleicht jetzt denkt! Es ist eine richtige Arbeit!“ Vor lauter Begeisterung tanzt er beinahe auf dem einzigen freien Plätzchen direkt vor der Tür.

„Hoffentlich will keiner jetzt hier rein“, denke ich. In diesem Augenblick hat er einen kräftigen Stoss in den Arm bekommen. Unsere Aufseherin schreckt zurück, kommt aber – jetzt vorsichtig- doch noch rein. „Heute ist euer großer Tag“, wirft sie herein ohne sich vor dem Mann zu entschuldigen. „Der gute Herr will euch helfen!“, sie lächelt ihn liebevoll an.

Der Mann fährt beherzt fort. Er scheit so glücklich zu sein als ob er gerade im Lotto gewonnen hätte! „Du alter Ar…“, denke ich für mich. „Der Steuerzahler bezahlt die ehrenwürdige Firma, damit sie dich für ein halbes Jahr einstellt.“Er lässt eine Liste herumgehen mit diversen Fortbildungsangeboten. Wenn wir uns da was aussuchen steigert das ernorm unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt – meint unser Herr. Ich schaue mir die Liste flüchtig an: Deutsch für Ausländer, Gesund Kochen mit Harz IV – das sind die Kurse um die wir uns schlagen sollen. Übrigens: In vielen Ländern muss die Unterschicht gar nicht kochen, die werden nur gefragt: „Wollen sie heute eine Dose Erbsen oder lieber Bohnensuppe mitnehmen?“

Wir sitzen bis um halb fünf.

10.2.07 21:36


23. Steuergelderverschwendung mit System

Nein, ich bin noch nicht krank geworden! Ich warte noch ab. Im unserem Gefängnis ist es jetzt wesentlich angenehmer geworden. Nur etwa 20 Prozent sind noch gesund! Wir haben mehr Freiraum. Es atmet sich leichter, es ist endlich nicht mehr so stickig.

Jetzt muss sich was ändern, glaube ich. Die Firma will doch nicht mit hohen Krankheitsstatistiken glänzen! Das macht sich nicht gut! Nun komme ich wegen der vielen Recherchen ins Grübeln. Es steckt doch ein System dahinter! Wenn die Leute ständig recherchieren dürfen, bleiben sie gesund und die Statistiken sind berauschend!!!

Am Ende des Tages kommt “sie“ herein und verkündet, dass wir ab Montag wieder in unser alten Raum gehen dürfen.

10.2.07 21:36


24. Recherchezettel: Nach Hause ohne Krankschreibung

Unsere Truppe ist noch dezimiert, die Stimmung aber ist viel besser geworden. Unsere Aufseherin kommt mit einem Stapel Papierblätter herein: “Ich habe hier Recherchezettel ausgedruckt.“, „Geht doch!“ denke ich. Bis zur Mittagszeit traut sich keiner zu gehen. Zu stark sind wir an das Sitzen gewöhnt. Um eins kommt sie wieder: “Die Recherchezettel liegen hier im Regal“ Die ersten stehen auf.

10.2.07 21:37


26. Enormer Papierverbrauch

Hurra, wir haben eine Aufgabe bekommen! Ich mit zwei Kollegen sollen ein paar Nummern ausdrucken, um diese auf den zwölf Schrankfächern aufzukleben, die sich in unserem Raum befinden. Des Weiteren sollen wir noch Anhänger mit Nummern für die dazugehörigen Schlüsseln basteln. Wir sind voller Tatendrang. Wir warten zwei Stunden bis der einzige Rechner der heute funktioniert frei ist. Albert drängt sich die Zahlen zu schreiben. Fertig! Jetzt stellen wir gemeinsam fest, dass das Papierfach im Drucker wie immer leer ist. Ja, einer muss betteln gehen. Keiner macht das gerne. Die Wahl fällt auf mich. Ich versuche mich, meistens mit Erfolg, vor solchen Aufgaben zu drücken, merke aber schnell, dass es jetzt nicht so leicht sein wird. Schwermütig muss ich die Aufgabe annehmen. Ich schleppe mich durch die lange Baracke, am Kleinlaster vorbei, auf den gerade Sperrmüll geladen wird und klopfe vorsichtig an die Tür unserer „Prinzessin“. Ich darf rein. Ich erläutere schüchtern den Grund meines Erscheinens. „Gehen sie. Ich komme sofort zu ihnen“, sie spricht ohne mich anzugucken und ohne die Lektüre eines Zettels zu unterbrechen. Ich mache mich auf den Weg zurück. Im Raum angekommen warte ich gemeinsam mit meinen Kollegen noch weitere 90 Minuten. Endlich kommt sie rein. „Ich möchte ihnen mitteilen, dass der Verbrauch von Papier in dieser Gruppe ernorm hoch ist. In den letzten drei Monaten habe ich 500 Blätter ausgegeben, 500 Blätter!“ Anfangs herrscht totale Stille, danach wird’s immer lauter, viele versuchen sich zu rechtfertigen, viele versuchen die Schuld auf jemanden anderen zu schieben. „Mein Gott, ist das nicht lustig!“, innerlich muss ich wirklich lachen. Wir bekommen fünf Blätter und die unangenehme Geschichte ist erledigt. Albert kann die Zahlen ausdrucken. Ups, wir haben kein Klebeband, keine Schere, keinen Locher. „Jetzt gehst du selber zu ihr!“, verteidige ich mich. Albert schleicht sich aus dem Zimmer raus. Bald kommt er wieder „Wir sollen warten!“. Wir besetzen den Computer, unsere Aufgabe längst vergessen.

Ich spiele gerade „SameGame“ als die Aufseherin kommt. Weil ich gerade am Rechner saß richtete sie sich zu mir: „Schreiben sie bitte eine Liste mit allen Materialien, die sie brauchen und gehen sie bitte mit der Liste in das andere Haus. Da ist ein Raum wo „Materialausgabe“ dransteht. Holen sie sich da ihre Sachen.“. Ich öffne sehr selbstbewusst ein Word Dokument –es gibt hier keine Alternative zu Microsoft. “Was?! Wollen sie das in Word schreiben! Kennen sie sich nicht mit Excel aus?“, sie schaut mich mitleidig an. „Nein…“, ich mach mich ganz doof. Meine Erfahrungen in dieser Firma haben mich gelehrt, dass man so viel weiter kommt „Macht nichts, wir sind doch hier dazu da, um etwas zu lernen. Ich werde ihnen ganz langsam alles erklären“, mütterlich macht sie sich ans Werk. Ich stelle sofort fest: Sie hat keine Ahnung von Excel.

10.2.07 21:37


27. Arbeitsscheuer Neonazi

Die Kampfsportgruppe war gestern nicht da. Die Recherchen sind wieder richtig im Gange. Thomas erzählt mir, dass sie bei Fritz zu Hause recherchierten. Gemütliches Treffen, Frühstück, jeder hat etwas mitgebracht. Fritz ist eigentlich ein ganz netter Kerl: schwarzhaarig, dunkle Augen - ich habe ihm am Anfang für einen Türken gehalten. Wären es nicht die vielen Tatoos, ich vermute am ganzen Körper und die unzähligen Piercings, hätte man ihn für einen stinknormalen Faulenzer gehalten, der noch nichts im Leben auf die Reihe gebracht hat. Durch seine „Markenzeichen“ hebt er sich eben von den Normalos ab. “Weißt du wie es beim ihm zu Hause aussieht?“ Ich kann nicht sagen, dass ich es unbedingt wissen will. Garantiert so, wie es bei dem meisten dieser Menschen aussieht: dreckig und unaufgeräumt, aber so lange die sich da drin wohl fühlen ist es in Ordnung. „Es ist wirklich interessant bei ihm“ Thomas versucht meine Neugier zu wecken. Ich halte ihm schon länger für eine alte Schwatztante. „Da sind überall Hakenkreuze in seiner Wohnung und für Hitler hat er sogar ein richtiges Altar gebaut! Hast du noch nicht die Swastika gesehen, die er ständig am Gürtel trägt?“. Nein, die hab ich noch nicht gesehen. „Da steckt nur ein kleiner Denkfehler bei Fritz“, sag ich zum Thomas „Und zwar er hat vergessen, dass der Führer die Arbeitsscheuen als erste verbrennen lies.“, Thomas lacht.

10.2.07 21:38


28. Wie man Druckertinte spart

Heute haben wir endlich was zu tun. Unsere Aufseherin ist wieder mal auf die Idee gekommen, dass wir sparen müssen! Sie braucht aus dem Internet gedruckte Stadtpläne. Um sie auszudrucken, braucht man Unmengen von Druckertinte, die sehr teuer ist und unsere Firma kann sich die angeblich nicht leisten. Die Lösung der Sache ist perfekt: wir drucken die Pläne schwarz- weiß aus und kolorieren sie eifrig mit Buntstiften! Der Tag ist gerettet, wir haben was zu tun!

Meine Bekannte macht gerade ein Praktikum in einer Behindertenbeschäftigungsanstalt. Die psychisch Behinderten bekommen am Anfang des Tages zwei A4 Blätter.Aus dem einen Blatt basteln sie ein Briefumschlag, das andere schnippeln sie klein und stecken es in den Umschlag. Das wäre doch eine wunderbare Idee für uns! Stopp, geht nicht, man müsste in Blätter und Kleber investieren und was kosten die Scheren?

10.2.07 21:38


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