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25. Wird das Projekt verlängert?

Heute kommt jemand vom Arbeitsamt, der feststellen soll, ob unser Projekt verlängerungswürdig ist. Die Aufseherin ist aufgeregt, es steht ihr bequemer Arbeitsplatz auf dem Spiel. Den meisten von uns ist es ziemlich egal, ob es verlängert wird oder nicht. Manchmal kann man diese Sitzerei einfach nicht mehr aushalten. Einfach nur sitzen! Immer mehr lassen sich krankschreiben, zur Freude der Krankenkassen! Ich will, dass mein Vertrag verlängert wird. So leicht kommt man nirgendwo sonst an die paar Euro. Man kann auch viele Hausarbeiten hierher verlegen: Dokumente ordnen, Briefe schreiben, den Behörden antworten, Formulare ausfüllen, stricken, sticken, häkeln, lesen, Rätsel lösen oder Tagebücher ins Blog schreiben. Es gibt sogar eine Mutter, die hier die Hausaufgaben ihres Kindes erledigt!

Unsere Aufseherin kommt gerade herein und fängt an, unseren Raum aufzuräumen. Wir tauschen verwunderte Blicke aus. Sie versucht auch uns dazu zu motivieren. Guido holt den Staubsauger, ein uraltes Ding, das nicht mehr saugen kann. Bestimmt gehörte es einer alten Damme, deren Nachlass hier entsorgt wurde.

Zum Reden mit dem Arbeitsamtmenschen wurde Andrea ausgewählt. Sie war früher Versicherungsvertreterin und kann wirklich Rauch verkaufen. Sie selber will unbedingt ihren Vertrag verlängert bekommen. Ihr Mann hat sich selbstständig gemacht und sie befürchtet, dass sie sich schon bald mit Harz IV verabschieden muss. Mit dem verlängerten ABM Vertrag könnte sie ihren Mann wenigstens anfänglich bei ihrer Krankenkasse unterbringen. So spart sie viel Geld, sie wird kämpfen, was die Aufseherin weiß. Zwei Stunden später ist es so weit: Eine junge Frau betritt unseren Raum und stellt sich als jemand vom Jobcenter vor. Es sind nirgendwo arbeitsfremde Sachen zu sehen. Nur Zettel, Stifte, und Fachbücher, die, die Aufseherin organisiert hat. Sie zeigt der jungen Frau einen freien Stuhl, neben Andrea, die sich sofort ans Zeug macht. Sie begrüßt die fremde Frau nett, lächelt süß, und bedankt sich bei ihr, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, uns beruflich weiter zu entfalten. Die Frau erklärt uns den Ziel ihres Besuches. Sie möchte die Arbeitsbedingungen prüfen und sich erkunden, wie weit unsere Arbeit der Gesellschaft nutzt. Bis jetzt hat sie nur erfreuliches festgestellt. Die Leute haben es warm, sauber und sind hochmotiviert. Unsere Sanitäranlagen haben es ihr angetan. „Hoppla!“, denke ich „Tun schon alle in diesem Land so, als ob, oder haben die hier noch versteckte Toilleten, die nur den Kontrolleuren gezeigt werden?“ Von Anfang an erinnert mich hier alles an „Kaisers neue Kleider“. Unsere Prüferin ist so begeistert, dass sie mit Sicherheit gerne ihren tollen Job schmeißen würde, um hier anzufangen!

Jetzt kommt Andrea’s große Stunde: Sie stellt unsere Arbeit vor. Sie erzählt und erzählt und erzählt. Mit großen Worten erklärt sie unser Tun, zeigt dessen Vorteile für die Gesellschaft. Bei den vernachlässigten Kindern angekommen, blinzeln zwei kleine Tränen in ihren Augen. In meinen auch! Ich stehe kurz vor einem Lachkrampf und senke mein Gesicht immer tiefer und tiefer, damit die gute Frau es nicht merkt. Die Aufseherin hat es aber schnell registriert: „Frau …, gehen sie bitte ins Büro und holen die Berichte vom letzten Monat. Sie wissen wo diese liegen.“ Ich habe es verstanden und verlasse eilig den Raum, verkrieche mich in einer Ecke und warte, bis der Gast unseren Raum verlässt. Das Büro ist sowieso zu. Unsere Aufseherin trägt den Schlüssel immer bei sich. Nach 45 Minuten ist es so weit: Ich darf zurück. Ich trotte mit fragenden Miene in unseren Raum hinein. „Das hier wird um mindestens zehn Jahre verlängert!“, Katharina stillt meine Neugier. „Ja, ich weiß, Andrea hat Talent.“

Zur Feier des Tages dürfen wir auf Recherche gehen.

17.2.07 11:45
 


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